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Flysurfer Sonic 15 qm Review

Seit der Ankündigung von Flysurfer, einen dedizierten Hochleistungs-Racekite am Markt zu platzieren, war ich sehr gespannt auf einen Flugtest. Letzte Woche war es dann soweit und ich konnte den Flysurfer Sonic Proto in 15 qm von der Post abholen. Natürlich durfte ich wieder den gesamten Versandhandelwahnsinn mitmachen: verzögerte Abholung bei Flysurfer, zwei Tage Transport (ok) dann Stau in der Packstation, so daß ich das Paket erst am "nächsten Werktag ab 11 Uhr" (warum auch immer?!) abholen konnte. Nungut - es war Frontendurchzug und somit ohnehin nicht fliegbar. Endresultat war dann allerdings, daß wir den Kite nur genau einen Tag testen konnten. Jetzt ist er bereits unterwegs zum nächsten Kitefan.

Es handelt sich um um einen Prototypen des 15er Sonic, welcher auch an die Teamfahrer für die Snowkite-Wettkämpfe geschickt wurde. Laut der Aussage von Armin Harich wird die finalisierte Version ein noch flacheres Profil und noch mehr Streckung aufweisen.

--- alle Fotos in hoher Auflösung hier ---

--- weitere Fotos von Kitelehrer Janis Floer Team Waterworld (mit bestem Dank)  ---
 

 

Der Sonic kommt in einem robusten Rucksack mit schickem Goldaufdruck. Ausreichend Taschen für Kleinkram, stabile Schultergurte und ein Hüftgurt sollten einen guten Tragekomfort gewährleisten. Für längere Wege zum Spot wäre allerdings noch eine Schnalle zum Zusemmenhalten der Schultergurte wünschenswert. Auf der ID-Card können persönliche Informationen im Falle eines Kiteverlustes notiert werden. Vielleicht führt das zu einem Anruf eines ehrlichen Finders...
 

 

Über einen langen Reißverschluß kann eine große Dehnfalte freigelegt werden. So sollte auch ein hastig zusammengepackter Kite noch in den Rucksack passen. Fabrikfrisch kommt der Sonic 3x gefaltet  sehr kompakt aus dem Rucksack. Die Bar ist mit einer Schutzhülle versehen, welche mit dem eigenen Namen beschriftet werden kann.
 

 

Mit im Lieferumfang finden sich Ersatzleinen und farblich passendes Ripstop-Tuch  für die schnelle Reparatur.
 

 

Die Racebar wiegt interessanterweise kaum mehr als die leichte Bar des Flysurfer Peak, obwohl sie ein hochwertiges 1:4 Flaschenzugsystem  für den Adjuster verwendet. Vermutlich liegt das ann den extra-dünnen, widerstandsarmen Raceleinen. An den Barenden fehlen - zumindest bei dieser Proto-Version - die Gummies zum Fixieren der aufgewickelten Leinen. Vielleicht ist dies aber auch gar nicht nötig, da die dünnen Raceleinen kaum auftragen und so nicht von der Bar rutschen.
 

 

 

Die Bar ist voll auf Race optimiert und besitzt daher einen sehr leichtgängigen Adjuster mit 1:4 Flaschenzug und hochwertigen kugelgelagerten Rollen, der auch bei maximaler Geschwindigkeit und damit Power im Schirm leicht gezogen werden kann.

 

Selbstverständlich habe ich den Kite auch wieder mit meiner alten Krups-Waage gewogen.  Das Gesamtgewicht beträgt inklusive Depowersystem und Waageleinen 3.15 kg. Dies mag auf den ersten Blick etwas viel erscheinen, aber man muss hier bedenken, daß es sich um einen enorm gestreckten  Hochleistungsschirm mit aufwändigstem Innenleben handelt. eine hohe Zellenzahl kombiniert mit Diagonalrippen, Nylondrähten in der Eintrittskante, Miniribs und Zugvektorbänder führen zu einem gewissen Gewicht. Schon eins vorweg: auch bei 5 Knoten kann der Sonic ohne Vorfüllen erstaunlich easy gestarten werden.  Dies liegt sicher an der durch die Nylondrähte vorprofilierten Eintrittskante, welche schon sehr füh eine gute Strömung anliegen lässt und an den speziellen, sehr großen Doppelkammerventilen.

 

Diese innovativen Doppelkammerventile sind - soweit ich weis - zum ersten mal im Kitebereich zu finden und sind inspiriert vom Gleitschirmbau. Das Problem, welches es zu lösen galt, ist schnell umrissen: einerseits sollten die Ventile so groß wie möglich sein, um eine schnelle Füllung zu gewährleisten, andererseits ist es schwierig, große Ventil-Eintrittsöffnungen so zu konstruieren, daß sie sowohl bei einem hohen als auch sehr niedrigen Anstellwinkel einen hohen Innendruck gewährleisten. Dies wird geschickt durch die Zweiteilung der Ventile erreicht: bei niedrigem Anstellwinkel liegt der Stagnationspunkt und damit der größte Staudruck weit oben am Profil, während er bei größeren Anstellwinkeln richtung Unterkante wandert. Dementsprechend wird entweder die obere oder untere Hälfte des Doppelkammerventils optimal "druckbefüllt". Damit die Ventile besonders dicht sind, wurden sie aus geschmeidigem Lotustuch gefertigt.
 

 

Die weitere Konstruktion zeigt sich sehr hochwertig und auf einem Niveau wie man es von Gleitschirmen gewohnt ist. die unummantelten, sehr dünnen und damit widerstandsarmen Raceleinen der Waage sind sauber und präzise gespleißt und via weaklinks mit der Kappe verbunden. Auf drei Leinenebenen verteilt wird die Kraft in den Kite eingeleitet und über ein klassisches Doppelrollen-Depowersystem wird der Anstellwinkel kontrolliert. Offensichtlich hat sich die Zweileinertechnologie, wie bereits einmal kurz beim Speed4 zu sehen, im Kitebereich noch nicht bewährt. Schirme mit nur zwei Leinenebenen erfordern weit zurückgesetzte Aufhängungspunte auf der A-Ebene, was zu Schwierigkeiten beim Start führen kann. Ich bin hier gespannt, ob diese aus dem Highend-Gleitschirmbereich kommende Technologie irgendwann Einzug bei den Racekites finden wird.


Das Nahtbild ist sauber, die Hinterkante mit einem Einfassband doppelt vernäht und damit gut vor Verschleiß geschützt in der Mitte findet sich das Luftauslaßventil, welches recht klein zu sein scheint, aber völlig ausreichend ist: der Kite hat durch sein dünnes Raceprofil deutlich weniger Luft im inneren, so daß auch weniger beim zusammenrollen heraus muss.

 

Samstag, 07.03. Künsebeck

bei schwachem, böigem süd-süd-west Wind geht es nach Künsebeck. Dort gibt es die Komplikation - wie wohl überall im Binnenland - daß man irgendwie immer im Lee ist. Hier ist es ein vielleicht 4 Meter hoher Wall, welcher bodennahe Turbulenzen verursacht und des weiteren ein dahinter liegendes quaderförmiges Hochlager, welches ordentliche Turbulenzen auch noch in 20 Meter Höhe verursacht. Da wir hier noch schlimmeres Leid gewohnt sind (die berüchtigte Hackwindrennbahn) sollte es einigermaßen gehen. Die erste Überraschung ist die wirklich enorme Streckung des Kites. Das lässt auf Leistung pur hoffen !

 

Der Wind pendelt zwischen 3 und 10 Knoten - das wird eine Bewährungsprobe für den Racekite. Ich hatte erst überlegt, meine Coleman Quickpump mitzunehmen, um den Kite vorzubefüllen. Dies war aber absolut unnötig, daß sich der komplett leere Sonic auch bei diesem schwachen Wind völlig problemlos starten ließ. Es war nicht mal ein zweiter Versuch nötig. Beim hochziehen legt der Sonic erst beidseitig und großflächig die Ohren an, was aber nicht stört. Es dauert ein paar Sekunden, dann ist der Innendruck so weit gestiegen, daß die Ohren rauspoppen und der Sonic seine volle Power entfaltet.

 

Trotz schwachen Windes wird erstmal von Janis und Marco eine Runde der Lift getestet und - angesichts des mageren Windes - hohe Sprünge aus dem Stand gezaubert. Mit dem Mountainboard versuchen die beiden es dann, ordentlich Fahrt aufzunehmen, müssen aber wieder mal feststellen, daß Künsebeck dafür ungeeignet ist. Der wenig glatte Untergrund lässt es nicht zu, ordentlich Fahrt aufzunehmen.


 

Lenkt man den Sonic in die Bodennahen Turbulenzen, klappt schon gern einmal das untere Öhrchen ein - das ist aber normal bei Hochleistungsschirmen mit Laminarprofil. durch das bikonvexe Profil kann es bei flachen Anstellwinkeln in Kombination mit Turbulenzen schnell zu einer negativen Anströmung kommen, welche dann Lift in die falsche Richtung erzeugt - das Ohr  klappt ein. Bar anziehen - und schon ist es wieder draußen. Hier zeigt sich, daß - logischerweise - der Sonic in erfahrene Hände gehört. Es muss aktiv der Bardruck gefühlt und reguliert werden, um Turbulenzen auszugleichen und immer einen positiven Anstellwinkel beizubehalten.
ZugTraktoren ala Access, Frenzy und Co. pflügen da leichter durch Turbulenzen, bieten dafür aber nicht annähernd die Gleitleistung des Sonics.

 

Auffällig sind die nach außen geschwungenen Flügelenden. Das erinnert an manche Gleitschirme (z.B. Little Cloud Goose) und reduziert vermutlich die Wirbelschleppe und damit den induzierten Widerstand --> noch mehr am-Wind-Leistung.

 

Eigentlich wollte ich nur Fotos machen und die GoPro draufhalten, aber dann muss ich mich selber auch einmal an den Sonic hängen. in einer 10er Böe hebt es mich an und ich schwebe erstmal für ein paar Sekunden, bis mich der Sonic wieder sanft absetzt. Der Sonic will schnell bewegt werden und baut dann mächtig Druck auf. Wo der Mythos herkommt, daß Racekites "wenig Lift" haben, kann ich immer noch nicht verstehen. Mir ist der Wind dann doch etwas zu bockig und ich wünsche mir smoothen Küstenwind und einen Buggy oder ein großes verschneites Feld mit Sonnenschein und laminarem Schwachwind..

 

Fazit

Der Test hat - trotz Hackwind - gezeigt, was für ein enormes Potential im Sonic steckt - Leistung und Power pur. Das ist die Airstyle Maschine ! Ich möchte gar nicht wissen, wie der abgeht, wenn man > 12 Knoten hat. Die Spassmaschine für erfahrene Kiter die wissen was sie tuen.